Geschichte des Feriupass

Angebote in den meisten Ortschaften des Bezirks, welche über 100 freiwillige Helferinnen und Helfer anbieten und an denen über 600 Kinder und Jugendliche teilnehmen – dies sind ein paar Kennzahlen, die sich auf den Feriupass als Angebot beziehen, so wie er 2014 in seiner 15. Auflage stattfindet. Hinter dem Feriupass als Angebot für die junge Generation aus dem Bezirk Visp steckt eine lange Geschichte, die in den nachfolgenden Ausführungen aufgegriffen wird.

 

Bedürfnisse von Eltern als Ansporn

Das Freizeitverhalten hat sich im Bezirk Visp in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten verändert. Der Feriupass als Sommerferienangebot richtete sich in den Anfangszeiten primär an Kinder und Jugendliche, die keine Ferien im Ausland machen konnten und während den Sommerferien in der Wohnregion sich vom Schulalltag erholten. Ein wesentliches Anliegen des Feriupasses zum damaligen Zeitpunkt war es, Kinder und Jugendliche von bedürftigen Familien zu erreichen. Während der Feriupass als Angebot in der Deutschschweiz schon früher durchgeführt wurde, können die ersten Bestrebungen in Richtung Lancierung eines eigenen Feriupasses im Bezirk Visp im Jahr 1984 verzeichnet werden. Eltern haben sich dahingehend geäussert, dass es im Sommer im Bezirk für deren Kinder und Jugendliche an Möglichkeiten fehle, aktive Sommerferien zu erleben. Dieses Anliegen haben Arlette Studer als Pro Juventute Bezirksstellenleiterin, Rose-Marie Zumofen als Zentrumsleiterin des Sozialmedizinischen Zentrums (SMZ) Visp und Christine Hammels als administrative Verantwortliche des SMZ aufgenommen.

 

Die 1. Ferienpassaktion im Kanton Wallis

Rose-Marie und Christine haben sich nach Ideen umgeschaut und konkret in Bern und Thun vor Ort sich davon überzeugen lassen, welche Möglichkeiten und Bedürfnisse über einen Feriupass abgedeckt werden können. Dem Engagement dieser Frauen ist es zu verdanken, dass 1985 im Bezirk Visp zum ersten Mal eine Feriupassaktion durchgeführt wurde. Dass es sich hierbei um die erste Austragung eines solchen Angebots im ganzen Kanton Wallis handelt, wiedergibt den Pioniergeist der Initiantinnen.

Das Kind auf dem Matterhorn

Gleichzeitig mit der Austragung des ersten Feriupasses 1985 kreierte Annie Herger ein Logo, welches über 25 Jahre stellvertretend für den Feriupass als Projekt nach Aussen hin auftrat. „Das Matterhorn als Wahrzeichen des Bezirks und obendrauf ein Kind, das sowohl Mädchen als auch Junge sein kann. Dies soll ausdrücken, dass unsere Kinder und Jugendliche das Wichtigste sind und wir alles tun sollten um sie zu fördern und zwar so, dass es ihnen Spass macht“, dies die Gedanken, die sich Annie Herger gemacht hat, als sie darauf angesprochen wurde, was sie mit dem Logo zum Ausdruck bringen wollte.

Grenzen ehrenamtlicher Tätigkeit

Bereits mit der ersten Durchführung einer Feriupassaktion im Bezirk Visp nahmen über 500 Kinder und Jugendliche an den verschiedenen Teilnahmemöglichkeiten teil. Insider, die die ganze Vorbereitungsarbeiten, die während der Planungsphase im Hintergrund laufen, kennen, wissen, dass es viel Herzblut und ehrenamtliches Engagement braucht, damit ein Feriupass als Projekt reibungslos durchgeführt werden kann. Diese zeitliche Mehrbelastung war mitunter ein Grund, weshalb ein 2-jahres Durchführrhythmus gewählt wurde. Wechsel in der Geschichte des Feriupasses gab es auch bezüglich den involvierten Institutionen. Während die Pro Juventute sich bis 2009 für diesen Anlass als Träger verantwortlich zeichnete, wechselte anfangs der 90er Jahre das SMZ. Das SMZ Zermatt und Umgebung und die Jugendkommission von Zermatt übernahmen die Nachfolge und zeichneten sich in der Übergangszeit verantwortlich für die Fortsetzung des Feriupasses. Namentlich zu erwähnen sei an dieser Stelle Lotti Studer als Sozialarbeiterin des SMZ und Thomas Bucher als Zentrumsleiter.

 

Allen Durchführungen kann als ein wichtiger Aufgabenbereich der Administrationsbereich abgeleitet werden. Dieser Funktion kam eine wichtige Rolle zuteil, waren doch alle Personen, die diese Aufgabe wahrnahmen, verantwortlich dafür, dass alle Anmeldungen erfasst und auch die Zuteilungen auf die einzelnen Angebote gemacht wurden. Unzählige Stunden wurden dabei investiert, bis jeweils der letzte Feriupass bedruckt und verschickt wurde.

 

Mit der Gründung einer regionalen Jugendarbeitsstelle (Jast) im Nikolaital wechselte die Federführung des Projekts vom SMZ zur Jast. Bis 2007 war die Jugendarbeitsstelle in die operative Umsetzung des Feriupasses involviert, bevor mit der Durchführung einer Feriupassaktion im Jahr 2008 die Pro Juventute als alleinige Organisation für die Durchführung besorgt war.

Laufend weiterentwickelt

Der Pioniergeist zu den Anfangszeiten und der damit verbundene Gedanke, angepasst auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen aus dem Bezirk Visp ein Angebot zu lancieren, welches über einen bestimmten Zeitraum in den Sommerferien für Abwechslung sorgte, ist bis heute geblieben. Sowohl Fachpersonen aus den oben erwähnten involvierten Institutionen als auch ehrenamtliche Helferinnen und Helfer haben den Anlass laufend weiterentwickelt.

 

Hinter den Kulissen wurde über die Jahre, aufgrund der gemachten Erfahrungen, ein eigenes Programm entwickelt, welches heute die Möglichkeit bietet, dass alle Kinder und Jugendlichen, die sich am Feriupass angemeldet haben, die gleiche Ausgangslage haben, wenn es ums Zuteilen von Angeboten geht. Auf Knopfdruck werden die über 600 Kinder und Jugendliche auf die Angebote zugeteilt – der Zufallsgenerator spielt heute also Glücksgott und sorgt dafür, dass mehrheitlich alle Interessen berücksichtigt werden. Veränderungen und Anpassungen wurden laufend in der Definition der Angebote gemacht. Der gesellschaftliche Wandel und gesellschaftliche Veränderungen führten dazu, dass bewährte Inhalte aus den Anfangszeiten neu definiert werden mussten oder neue Inhalte kreiert werden konnten. Zwei Beispiele hierfür – waren zu den Anfangszeiten Aktivitäten in der Natur hoch im Kurs, haben diese in den 90er Jahren an Attraktivität verloren. Der Bezug zur Natur musste neu definiert und der Erlebnisaspekt mitberücksichtigt werden. Gelang es früher, das Zielpublikum für eine Wanderung mit einem Picknick zu begeistern, nennt sich dies heute bspw. Lama-Trekking.

 

Der Computer soll als zweites Beispiel aufzeigen, wie sich die Bedürfnisse und Rahmenbedingungen verändern und es für die Verantwortlichen bei jeder Durchführung aufs Neue eine Herausforderung war, ein Angebot zu definieren, das auch auf ein Interesse stossen soll. Ende der 90er Jahre, mit dem Aufkommen des Internets, konnten verschiedene Angebote lanciert werden. Computerangebote findet man im Angebot der letzten Ausführungen praktisch keine mehr, da der Umgang mit dem Computer flächendeckend in der Schule erlernt wird und heute die meisten Kinder und Jugendlichen selber privat einen Computer besitzen und sich so in der Freizeit selber neue Kompetenzen aneignen.

 

Ausblick…

Mit der 13. Austragung des Feriupasses 2010 wurden erneut Weichenstellungen getätigt. Gegründet wurde der Verein Feriupass Bezirk Visp. Als eigenständige Organisation haben es sich die 15 Personen, welche für die Planung und Durchführung hauptverantwortlich zeichnen, zum Ziel gesetzt, auch künftig alle 2 Jahre einen Feriupass im Bezirk anzubieten und damit einen wertvollen Beitrag in Richtung sinnvolle Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen zu leisten.

 

Neuland wurde mit der 13. Durchführung auch bezüglich der Kommunikation nach Aussen betreten. Zum ersten Mal wurde über das Internet der Anlass aufgeschaltet und soll Eltern und deren Kinder und Jugendlichen als auch Interessierten generell Einblick in den Feriupass geben.

Bestehendes Netzwerk als Fundament

Ein Muster hat sich seit Lancierung des Feriupasses im Bezirk über all die Jahre hinweg durchgezogen. Ein Anlass von dieser Grösse kann nur gelingen, wenn auch ein Umfeld von freiwilligen Helferinnen und Helfer existiert, die bereit sind, in irgendeiner Form einen Beitrag zu leisten.

 

Aktuell setzt sich die ehemalige Feriupasskommission und heutige Vereinsführung aus Personen von 9 (!) verschiedenen Ortschaften zusammen. All die Ortsvertreterinnen und –vertreter können wiederum auf ein engagiertes Umfeld zurückgreifen, das den Feriupass mitträgt. 2012 fungierten über 100 Personen als LeiterInnnen und HelferInnen. Wie viele Personen konkret im Hintergrund arbeiten, lässt sich nur schwer abschätzen.

 

Seit bald 30 Jahren engagieren sich viele namentlich genannte Personen und viele „Unbekannte“ für den Feriupass. Diesem Engagement gebührt entsprechende Anerkennung. Ein grosses Dankeschön allen Personen, die bis anhin und auch künftig in irgendeiner Form einen Beitrag zum guten Gelingen des Feriupasse geleistet haben und noch leisten werden. Ohne diesen Beitrag kann ein solches Angebot gar nicht realisiert werden! Danke.

 

Grächen, im September 2013

Uli Truffer

Vereinspräsident